Fakten

Medikamente und ihre Rückstände gelangen auf unterschiedlichen Wegen in die Umwelt. Ein Weg verläuft durch unseren Körper. Von den Medikamenten, die wir einnehmen, scheiden wir nämlich einen Teil unverändert wieder aus. Selbst wenn wir die Stoffe in unserem Körper abbauen, werden einzelne Bestandteile, sogenannte Metaboliten, ausgeschieden. Medikamente und ihre Metaboliten können sich in der Umwelt störend verhalten, denn einige davon werden weder in der Kläranlage noch in der Umwelt abgebaut. Sie sind also langlebig oder persistent.

Über WCs und Lavabos in die Gewässer

Doch nicht nur durch unseren Körper gelangen Medikamente ins Abwasser. Dort landen auch ungebrauchte Mittel, die unsachgemäss in der Toilette oder im Lavabo entsorgt wurden. Kläranlagen können die Arzneien nicht vollständig aus dem Wasser entfernen. Medikamentenrückstände werden deshalb in fast allen Seen und Flüssen, aber gelegentlich auch im Grundwasser und sogar im Trinkwasser nachgewiesen. Am häufigsten sind in Schweizer Gewässern die folgenden vier Mittel zu finden: das Antibiotikum Sulfamethoxazol, das Antiepileptikum Carbamazepin sowie die zwei Röntgenkontrastmittel Amidotrizoesäure und Iopamidol. Dass gerade diese Medikamente in hohen Konzentrationen vorkommen, hat nicht unbedingt nur damit zu tun, dass sie besonders häufig eingenommen werden. Relevant ist auch, wie gut sie in der Kläranlage aus dem Wasser entfernt werden und wie schnell sie in der Umwelt abbaubar sind. Insbesondere Röntgenkontrastmittel sind sehr stabil und bauen sich nur langsam ab. Problematisch sind auch hormonaktive Medikamente wie zum Beispiel Anti-Baby-Pillen. Diese Stoffe können schon in sehr kleinen Konzentrationen starke Wirkung zeigen (siehe Folgen).

Medikamente aus der Landwirtschaft

Auch über die Landwirtschaft gelangen Medikamente in die Umwelt. Tierarzneimittel werden von den Nutztieren ebenfalls ganz oder teilweise wieder abgegeben. So gelangen sie mit den Ausscheidungen oder als Gülle auf Weiden und Felder und dadurch direkt in den Boden. Da in der Landwirtschaft zum Teil grosse Mengen von Medikamenten zum Einsatz kommen, sind die Folgen besonders gravierend.