Folgen

Was Menschen bei der Heilung unterstützt, kann anderen Lebewesen Schaden zuführen. So wurden negative Effekte von Medikamenten bei zahlreichen Organismen nachgewiesen. Einige Antibiotika sind sehr stabil und reichern sich im Boden an. Dort werden sie von Pflanzen aufgenommen und gelangen so in die Nahrungskette. Das gilt besonders für Kulturpflanzen, die mit Gülle oder Mist gedüngt werden. Deshalb kann auch pflanzliche Nahrung Rückstände enthalten. Diese weite Verbreitung von Antibiotika in der Umwelt führt zur Resistenzbildung in Bakterien: Sie passen sich an und wiederstehen der Wirkung von Antibiotika. Resistente Krankheitserreger können die Behandlung einer Infektion erschweren oder sogar verunmöglichen. Das hat ernsthafte Konsequenzen für das künftige Gesundheitswesen.

Linderung für uns, Leiden für andere

Bei Forellen und anderen Fischen führen Arzneimittel oder hormonaktive Substanzen wie man sie zum Beispiel in Anti-Baby-Pillen findet, zur Schädigung der inneren Organe, zur Verweiblichung und Unfruchtbarkeit männlicher Tiere oder zu Verhaltensänderungen.

Auch bei Bodenbakterien, Algen, Insekten und Fröschen sind Populationsveränderungen, Entwicklungsstörungen oder das Absterben von Eiern und Larven zu beobachten. Sogar grosse Vögel reagieren stark auf den Medikamenten-Eintrag. Dies zeigt unter anderem der beeindruckende Fall des Bengal-Geiers, bei dem das Schmerzmittel Diclofenac zu Nierenversagen führt. Entsprechende Umwelteinträge haben zu einem massiven Populationseinbruch der Geier beigetragen. Deshalb ist es nötig und wünschenswert, dass wir weniger Medikamente in die Umwelt abgeben.

Umweltverträgliche Alternativen vorziehen

Um Ärzten die Möglichkeit zu geben, vermehrt umweltverträgliche Arzneien zu verschreiben, hat Schweden ein Umweltinformations- und Klassifikationsportal für Medikamente geschaffen. Zu hoffen ist, dass ein solches Portal bald auch hierzulande existiert.