Fakten

Zu den Pestiziden gehören Pflanzenschutzmittel, welche Nutz- und Zierpflanzen vor Schädlingen und Krankheiten oder vor der Konkurrenz durch ungeliebtes Unkraut schützen. Aber auch Holzschutzmittel, Desinfektionsmittel oder Insektenabwehrmittel.

Pestizide können aus künstlichen oder natürlich vorkommenden Stoffen (Chemikalien) bestehen oder aus lebenden Organismen, wie Viren, Bakterien oder räuberischen Insekten. Beim Anbau von Pflanzen kommen vor allem folgende Pestizide zum Einsatz: Herbizide gegen unerwünschte Pflanzen, Insektizide gegen Insekten, Fungizide gegen Pilze und sogenannte Molluskizide gegen Schnecken. So vielfältig wie die Namen sind auch die Wirkungsweisen dieser Mittel. Einige wirken sehr spezifisch auf eine Art, andere auf eine breite Auswahl von Organismen.

Ob synthetisch oder natürlich – Vorsicht ist geboten

Wie gefährlich ein Pestizid für Mensch und Umwelt ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören der enthaltene Wirkstoff, die Konzentration und auch, ob man das Mittel richtig anwendet. Relevant für unsere Gesundheit und für die Umwelt sind vor allem synthetische Pestizide, also Mittel, die im Labor hergestellt werden. Daneben gibt es aber auch natürlich gewonnene Substanzen, die für Bienen, Wasserlebewesen und auch Menschen äusserst gefährlich sind. Dazu gehören etwa Pyrethrum, das aus Blüten hergestellt wird oder Spinosad, das aus Bakterien gewonnen wird.

Zulassung schützt nicht vor Gesundheitsrisiken

Viele Pestizide, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen, dürfen auch im Privatbereich angewendet werden. Die Zulassungsverfahren, die sie alle irgendwann durchlaufen haben, sind leider keine Garantie für Ungefährlichkeit. 
Es kommt immer wieder vor, dass aufgrund von neuen Erkenntnissen die Zulassungsanforderungen für Pestizide angepasst werden. Mittel, die gestern noch als unbedenklich galten, werden heute wegen negativer Auswirkungen vom Markt genommen. Ein Beispiel dafür ist der Wirkstoff Chlorothalonil, der gegen Pilze eingesetzt wird. Erst im Dezember 2019 wurde dem Stoff die Zulassung entzogen, weil er als wahrscheinlich krebserregend eingestuft wurde. Davor war Chlorothalonil über Jahrzehnte intensiv im Einsatz. Und dies ist kein Einzelfall: Im Zeitraum von 2011 bis 2019 wurden 98 Pestizid-Wirkstoffe erneut geprüft. Bei 93 davon wurden danach Anpassungen und Einschränkungen in der Anwendung verfügt.

Keine Herbizide auf Gartensitzplätzen und Co

Um Mensch und Umwelt vor den Auswirkungen von Pestiziden zu schützen, gibt es bereits verschiedene Verbote. Im privaten Bereich ist vor allem das Herbizidverbot wichtig. Die Unkrautvertilger werden oft auf befestigten Flächen wie Parkplätzen oder Wegen eingesetzt. Hier können sie nicht im Boden versickern und werden mit dem Regen in die Gewässer ausgeschwemmt. Die Verwendung von Herbiziden ist auf diesen Flächen inzwischen deshalb verboten (siehe Box). Humushaltiger Erdboden hält Substanzen besser zurück und baut sie ab – zumindest teilweise. Aber auch von hier gelangen Pestizidrückstände mit dem Regen früher oder später in die Gewässer.

Verwendungsverbot für Herbizide auf und an Strassen, Wegen, Plätzen, Terrassen und Dächern

Seit 2001 gibt es ein generelles Anwendungsverbot für Herbizide auf befestigten Flächen wie Strassen und Wegen, Parkplätzen, Terrassen und Balkonen, Sitzplätzen sowie Hausdächern (ChemRRV, Anhang 2.5, Kapitel 1.1 Abs 2). Auch Beläge wie Kies, Schotterrasen und Rasengittersteine fallen unter das Verbot. Das gilt nicht nur für öffentliche Unterhaltsdienste, sondern auch für Privatpersonen. Wer also seinen Vorplatz oder sein Flachdach von Unkraut befreien will, muss auf chemische Hilfe verzichten. 
Dieses Verbot ist besonders wichtig: Auf versiegelten Flächen werden Herbizide nicht zurückgehalten und abgebaut, sondern sie werden mit dem Regen über die Kanalisation meist unverändert und in grossen Mengen direkt in die Gewässer abgeschwemmt. 
Dasselbe Prinzip gilt natürlich auch für andere giftige Substanzen, deshalb wird das Anwendungsverbot ab Dezember 2020 auf Mittel gegen Algen und Moose ausgeweitet.